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April 2020



April 2020


Nachdem wir am 22. März Gambia verlassen mussten, sind auch dort Schulen und viele weiteren Institutionen geschlossen worden. Versammlungsverbote, geschlossene Grenzen zum Senegal, keine Touristen mehr, das ist für die Menschen dort und das Land bitter.
Entsprechend wird von Isatou Jallow und Ousman Ceesay auch die Diabetesarbeit reduziert, auf eine Telefonseelsorge.
Und wir arbeiten mit Roche zusammen, und hoffen, dass die am 18. März geplante Lieferung der Teststreifen bald stattfindet. Wir bekommen seit Mitte April immer wieder eine Nachricht einer/eines Betroffenen, dass sie nicht mehr messen können. Das ist bitter, weil es eh schon schwierig ist, die Typ1er von Blutzuckermessungen zu überzeugen. Das Gudrun Medical Laboratory von Eliman Jobe kann noch etwas aushelfen, aber seine Vorräte neigen sich dem Ende zu.


Dennoch, wir versuchen halt, einigen Familien zu helfen. Der größte Wunsch der Jallow's in Labakoreh ist es, eine Mauer um das Grundstück zu bauen. Wir haben uns dazu entschlossen, ihnen finanziell unter die Arme zu greifen.
Was sie brauchen, ist Sand und Zement. Ein Sack Zement kostet dort fast doppelt so viel wie hier in Deutschland. Und sie sollen das in Eigenleistung machen - ohne Handwerker, und so Geld sparen.
Hier ein paar Bilder:



Und nicht zu vergessen: am 23. April hat der Ramadan begonnen, er wird 29 Tage dauern und endet mit dem Zuckerfest am 22. Mai. Happy Eid-al Fitr - was bedeutet: Fest des Fastenbrechens.
Ramadan heißt, dass während des Tageslichts nichts gegessen und getrunken wird (die Zeiten des Sonnenaufgangs und -untergangs sind jeweils genau festgelegt). Das ist vor allem für die Diabetiker wichtig, die Mischinsulin am Morgen spritzen müssen. Denn im Mischinsulin ist das Insulin fürs Essen mit drin - kann also nicht funktionieren!?
Interessanterweise hat eine Person in unserer Chatgruppe eine Ausarbeitung des IDF gepostet: der Diabetes Typ1 gehöre nicht zu den chronischen Erkrankungen?! Da mussten wir darauf reagieren - denn dazu gibt es auch in Deutschland bei der DDG was zu lesen - nämlich das Gegenteil.

Und Amie Colley ist mit ihrer Familie in ihr neu gebautes Haus gezogen. Auch da hatten wir helfen können. Den Ärger gab es danach, als die Nachbarn sich beschwert hatten, dass die oberirdische Stromleitung über ihr Grundstück gezogen war. Nun sind die Colleys wieder ohne Stromversorgung.


Mai 2020


Immer wieder haben wir mit Isatou und Ousman darüber gesprochen, dass sie uns über ihre Arbeit einen Bericht zukommen lassen (müssen). Immerhin, der erste Bericht ist nun fertig (Januar bis Mai 2020), enthält aber noch nicht alle für uns wichtigen Ereignisse.
Hier können sie ihn lesen.

Im Chat ist grad immer viel los. Einige der Betroffenen posten immer wieder unterschiedliche Tipps bei Diabetes Typ1. Wir hoffen, dass alles gelesen und umgesetzt wird...


Hilferuf Teststreifen

Nach wie vor hat Roche immer noch das Problem, dass es absolut schwierig ist, die Teststreifenlieferung nach Gambia zu bringen. Versprochen war ein Flug und die Ankunft am 2. Juni. Kurz davor kam die Nachricht, dass dieser Flug gestrichen worden ist. Mittlerweile haben wir Etliche, die nicht mehr messen können!!
Stellvertretend der Hilferuf von Isatou Jallow - gerichtet an die Regierung von Gambia - ist leider im Sande verlaufen.

Die Mauer bei den Jallows


Die Mauer um das Grundstück der Jallows wächst und wächst. Zwei Seiten waren fertig, mit einer Höhe von 1,70m. Das war so von uns nicht vorgegeben. Die sollten die komplette Mauer so bauen, dass alle vier Seiten stehen mit einer Höhe von xyz. Um dann mit eigenem Geld weiterbauen zu können...

Juni 2020


Mauer Jallow Mitte Juni


Und so sieht die Mauer der Jallows nun aus - zwei Seiten sind fertig - bei der Höhe hüpfen bestimmt keine Kühe mehr darüber...aber die beiden offenen Seiten?


Workshop bei Ousman


Ob sich die Coronalage in Gambia entspannt, ist uns nicht ganz klar.
Trotzdem, Isatou und Ousman haben einen Workshop in Ousman's Haus organisiert, am 18. Juni. Teilnehmer waren diesmal (vorne von links) Aji Yassin Ceesay, Sainabou Cham, Sirra Jallow, Ramatoulie Jallow, hinten (von links) Jahou Cham, Isatou Jallow und Ousman Ceesay.
Hauptthema war: lernen voneinander und sich mit den Problemen des Alltags auseinandersetzen, und das Leben in Zeiten von Corona. Super - weiter so!

Ousman Ceesay hat ein tollen YouTube-Film über Corona und Diabetes Typ1 hochgeladen. Den Film können sie hier anschauen.



Die Regenzeit beginnt in Gambia


In diesem Jahr hat die Regenzeit recht früh gestartet. Musa Sanneh, er wohnt in Gunjur, hat gleich an diesem Tag (16. Juni) ein Bild geschickt. Vom Haus hat es einige Corrigates (Wellblechtafeln, mit denen sind die meisten Häuser gedeckt) bei einem Gewittersturm abgerissen.
Aber es kam noch schlimmer: am 26. Juni hatte ein Sturm bald das ganze Haus abgedeckt, nebst der Stromzuleitung. Wir (und Helga Bank) haben geholfen, bis in die Samstagnacht (27. Juni) war fast alles wieder repariert.


Die gute Nachricht vom 22. Juni


Und dann kam am 16. Juni endlich die Nachricht, dass die Lieferung der Teststreifen organisiert ist (Ende Mai hatte unser Verein eine zweite Bestellung aufgegeben):
Please note that the flight will leave as planned.
BRU-BJL, SN215, 22JUN20, 15:50+0, 20:15+0
Could you please let me know who will pick the goods? Please send me the phone number to ensure a smooth handover?

Weil es ein Frachtflugzeug war, konnten die Lieferung erst am 23. Juni am Flughafen abgeholt werden. Wir haben natürlich mit Dr. Gaye darüber gesprochen, wie alles ablaufen soll. Es konnten ja nicht 50 Typ1er gleich am nächsten Tag in die Pakala! So einigermaßen hat alles geklappt, in den nächsten Tagen kamen an die 30 der Diabetiker, um sich endlich versorgen zu können. Weitere kommen dann die Woche drauf - einige hatten ja noch ein paar Teststreifen - weil sie nur 1x/Tag gemessen hatten...


Optik Pfeiffer, Stetten akM


An unser Gambiaprojekt denken - toll. Optik Pfeiffer, 72510 Stetten, hat uns eine gebrauchte analoge Refraktometereinheit überlassen. Wir hatten davor abgeklärt, ob die in der Kanifing Augenklinik (Serrekunda) überhaupt gebraucht wird. Was für eine Frage! Vor etwa einem Jahr hatten wir dort von Haddy Sohna 15 unserer Schützlinge untersuchen lassen.
Die zugehörigen Geräte wurden extra verpackt und stehen nun an einem geschützten Ort. Das Grundgerät steht im Lager in Stetten, wird noch in eine Folie eingewickelt und wartet auf den Transport im Februar 2021.


August/Sept. 2020


Es gibt aufgrund der Coronasituation nicht viel zu berichten. Isatou Jallow und Ousman Ceesay machen fleißig Telefonseelsorge. Stellvertretend für viele Anrufe von den beiden zwei Karteikarten und das Statement von ihnen.
Aktuell haben wir angefangen, am Transport des Insulins in die Pakala Klinik zu arbeiten, da wir unseren Besuch im November nicht machen werden. Die Gründe sind hinlänglich bekannt.
Das Insulin in Gambia/Pakala Klinik geht langsam dem Ende zu. Wir werden uns mit dem Projekt "Insulin zum Leben" zusammentun und die nächsten Tage mit freundlicher Unterstützung von Dr. Georg Bouché, dem Honorarkonsul für Gambia, das Insulin dorthin bringen zu lassen. Er hat sich bereit erklärt, das zu übernehmen. besten Dank an dieser Stelle, lieber Georg!!
Denn seit ein paar Tagen ist es wieder möglich, als "Tourist" nach Gambia zu fliegen. Aktuell muss ein negativer Coronatest vorliegen (nicht älter als 72 Stunden), und dann ist eine Quarantäne aufgehoben (bisher 14 Tage).
Stand 9. September 2020 haben wir dort 3196 Coronafälle, aber die Zahl steigt weiter an.
Gestern, am 9. Setember, haben wir eine "Aktion" über unsere 45köpfige WhatsApp-Gruppe gestartet. Sie sollen regelmäßig ihren Nüchternzucker messen, und, bei höheren Werten, darüber nachdenken, was am Abend beim Abendessen und mit dem Mahlzeiteninsulin besser gemacht werden kann, und den Wert auch berichten, in die Gruppe. Immerhin haben sich bis 11h mittlerweile 15 mitgeteilt!
Hier Bilder von vielen mitgeteilten Werten:


16. September 2020


Nach unserem Beschluss, den Novemberbesuch in Gambia ausfallen zu lassen, mussten wir nach einer Lösung suchen, wie das Insulin nach Gambia kommt. Letztendlich haben wir in Dr. Georg Bouché, dem Honorarkonsul für Gambia aus Stuttgart, einen supertollen Mithelfer gefunden. Er hat sich bereit erklärt, das Insulin nach Gambia zu "fliegen". Mit der Organisation "Insulin zum Leben" von Heidrun Schmidt-Schmiedebach haben wir uns zusammengetan. Sie hat seit Monaten versucht, Insulin über eine Spedition dorthin schicken zu lassen, bisher vergeblich.
Ein bißchen Organisationsarbeit im Vorfeld war notwendig.
Georg hatte den Hinflug für den 16. September mit Lufthansa/SN Brussels von München aus gebucht. Für Roland also sehr früh raus den Federn, ab nach Stuttgart den Georg abholen, und dann nach München. Sein Start mit dem Flieger war um 11.20h. Alles hat reibungslos geklappt. Nach der Ankunft in Gambia um 19.25h mussten alle fast 2 Stunden auf die Koffer warten! Dann konnte Dr. Alieu Gaye das Insulin in Empfang nehmen.


Danke nochmals, lieber Georg, nun musst du noch deine Heimreise organisieren....


Hat ein Leser bis hierher gelesen? Gerne könnt ihr mal eine Rückinformation geben: schindler@diabetes-projekt-gambia.de

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