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Reisebericht 13. bis 24. April



Sonntag, 16. April


Roland wird am 13. April (Ankunft um 5.20 gambian time, das ist 7.20 deutsche Zeit) alleine nach Gambia fliegen und bis zum 24. April (Montag) dort bleiben. Das Programm ist straff. Zunächst wird am Donnerstagmorgen das Insulin (es sind ca. 55kg..., 2 Koffer, plus der Rest im normalen Reisegepäck) zu Dr. Gaye gebracht, am Nachmittag werden zwei Familien mit Diabetikern besucht. Am Freitag, Samstag und Sonntag werden im Gudrun Medical Lab die Messungen durchgeführt. Siemens konnte die Reagenzien nicht in genügender Menge liefern, die Bestellung haben wir Anfang Februar aufgegeben. So können wir ca. 50 Typ1ern einladen. Der "Rest" ist dann halt später dran.
Ab Montag starten Familienbesuche. Da das Bakotu am 16. April schließt, wird Roland, wie im letzten Jahr April/Mai, bei Hilde in Cape Point wohnen.
Es kam dann ein wenig anders. Am Mittwochnachmittag ist Roland zum Flughafen Stuttgart gefahren. Der Flug von Istanbul nach Gambia war schon am Mittwoch kurz nach Mitternacht gestartet, er hätte dann bis zum Sonntag in Istanbul bleiben müssen. Die Umbuchung für den gesamten Flug am Sonntag war problemlos. Also wieder nach Hause.

Am 16. April, dem Sonntag, ging es nochmals los, Abflug 18.40, Aufenthalt in Istanbul 2 Stunden, Abflug dort nach Mitternacht, pünktliche Landung um 5.23 in Gambia.
Mit dem Insulin im Gepäck ein kurzer Aufenthalt im Zoll, die haben mich nach 5 Minuten laufen lassen! Abou hat mich mit meinen 3 Koffern plus Handgepäck abgeholt und nach Cape Point gebracht, zur Babhilds Residenz. Habe in Hildes Haus (siehe Reise April/Mai 2022) eine tolle Unterkunft.


Montag, 17. April


Dann ging es ans Auspacken, sortieren, und die letzten Vorbereitungen für die beiden kommenden Tage treffen, WhatsApps schreiben, Diabetiker anrufen, die Zeit vergeht im Flug…
Das Insulin wurde vom Fahrer von Dr. Gaye abgeholt, und in die Pakalaklinik gebracht.
Am Nachmittag stand der Besuch bei Amie Nyang an, Isatou Jallow und Ousman Ceesay haben mich begleitet. Amie wurde auf ICT umgestellt. Es wurde Zeit dafür, denn mit dem Mischinsulin kommt sie nicht klar. Da macht der Ramadan zusätzliche Probleme. Ihre Mutter hat zunächst mal von Amie's "Problemen" 20 Minuten erzählt, Amie saß da mit gesenktem Blick.
Dann ging es zur neuen Therapie. Habe sie die wichtigsten Dinge selbst schreiben lassen. Natürlich haben wir auch über die Mahlzeiten gesprochen. Und nein - für ein Ei wird nicht gespritzt. Aber fürs Brot, für Reis und ähnliche Getreideprodukte, usw. Für die nächsten Tage und Wochen ist eine enge WhatsAppkommunikation notwendig!


Dienstag/Mittwoch, 18./19. April


Abou hat mich am Morgen um 9 Uhr abgeholt, dann ging es nach Kanifing, um Basiru Njie abzuholen, weiter nach Westfield, Ousman stieg ein, ab zum Turntable, um dort Mariama (Typ1, 4 Jahre alt) mit ihrer Mutter plus Baby, ihrer Schwester Jojo und Sheriff einzusammeln.
Es wäre ein Traum gewesen, die neue vierspurige Straße Richtung Flughafen benutzen zu können. Bis auf die beiden Brücken ist sie fertig. Sie wurde vor ein paar Wochen eröffnet, und nach einigen schweren Unfällen mit Todesfällen wieder gesperrt. Auf 15 km geradeaus, keine Zu- oder Abfahrten möglich. Naja.
Der erste Tag verlief im Gudrun Medical Lab etwas chaotisch, es kamen alle, die eingeladen waren, 25 Typ1er.
Trotz der Unterstützung von Isatou und Ousman war es nicht möglich, mit allen ausreichend Zeit zu haben, um sie mit ihrem Diabetesmanagement weiterzubringen. Es kamen welche dazu, die wir noch nie gesehen hatten.
Heute, am Mittwoch, waren es 21 Personen, einige Typ2er waren dabei, so auch Hawa und Adama. Sie nehmen beide "nur" Metformin, jeweils 1000mg am Morgen und am Abend. Hawa hatte im November ein Hba1c von 10,8%, nun ist sie bei 10,0%, ihre Schwester war im November >14, und ist jetzt bei 6,2%. - Gesprächsbedarf!
Insgesamt waren die Ergebnisse erfreulicher als noch im November. Bei den 46 Ergebnissen hatten wir 6 mit >14% (das entspricht einem Durchschnittszuckerwert von mindestens 380mg). Ceesay Dibba kam extra vom Hinterland angereist, 130km, aus Karantaba. Zainab haben wir nach langer Zeit mal wiedergesehen. Adama Bah hat ihr Langzeitzuckerergebnis bestens gesenkt. Und bei einer anderen Person gab es am Oberarm (!!) Spritzstellen zu sehen: von einer stumpfen Nadel einer U100er-Spritze...
Eliman's Haddy hat mich noch mit Okrasuppe versorgt. Die gibt es dann morgen als Mittag- oder Abendessen.
Auf der Rückfahrt vom Labor habe ich Kwamla besucht. Er hatte im September 2022 einen Schlaganfall, sich davon aber wirklich gut erholt. Er arbeitet nun nicht mehr in seiner Gasfabrik. Sein Sohn aus den USA bleibt nun doch in Gambia und übernimmt die Gasfabrik.
Die "Geschäfte" mit ihm können weiterlaufen, das ist toll. Die sehen so aus: wir schreiben eine Mail an ihn, wenn eine Person Geld (z.B. für eine Schule) benötigt, und nach dem Termin für die Abholung kann die Person den Betrag dort abholen. Das, was seit dem letzten Besuch aufgelaufen ist, zahlen wir dann in € zurück.
Zum Abendessen ging es Musa's Bendula in Senegambia, um dort Waltraud, Brigitte und Alieu zu treffen.


Donnerstag, 20. April


Am Donnerstagvormittag hat Roland Dr. Alieu Gaye besucht. Er wohnt mit seiner Frau Margaret unweit von meinem Domizil. Er versucht, mit seinem Parkinson klarzukommen, es ist sehr beschwerlich für ihn. Jeweils an einem Dienstag und Donnerstag geht er für ein paar Stunden in seine Pakalaklinik.
Danach bin ich mit Baba, dem Mitbesitzer meines Domizils, in die Pakala. Ein Gespräch mit Nancy, sie macht dort die Büroarbeit.
Die Tante von Baba (da, wo ich wohne) liegt auf Station, und steht vor einer Amputation des rechten Fußes. Folgeschäden eines über lange Zeit eines schlecht behandelten Typ2-Diabetes, wenig oder keine Chance, um die Amputation zu vermeiden. Sie lehnt es noch ab. Dramatisch, bei einem solchen Bild hab ich immer Zweifel, es zu hier einzustellen. Aber nur "schöne" Bilder hier einzufügen, geht halt auch nicht. Am darauffolgenden Montagmorgen hat Hilde mir geschrieben, dass sie am Sonntag verstorben ist.
Am Nachmittag standen zwei Besuche in Familien mit Betroffenen an. Mariama Badjie, mitten in der Pubertät, ihr Diabetesmanagement ist entsprechend. Maimuna hat uns vom "Kampf" mit ihr erzählt. Wenigstens misst sie ausreichend viel!
Sehr ähnlich war es bei Modou Lamin Kujabi. Wenig eigenes Interesse an seiner notwendigen Therapie, hatte er in seinem Messgerät in der letzten Woche nur sechs Messungen, drei davon vor ein paar Tagen im Abstand von Minuten…Vielleicht wird es besser, nachdem wir da waren? Sein Vater jedenfalls hatte aufmerksam zugehört.


Freitag, 21. April


Wow, heute ist Ramadanende, Koriteh. Allerdings war es heute Nacht bewölkt, und so konnten die Muslime (und auch ich) den Neumond in Gambia nicht sehen. War der Straßenverkehr gestern noch unerträglich, haben sich Abou und Roland über fast leere Straßen gefreut, auf der Fahrt nach Brufut.
Zunächst haben wir Sheriff daheim besucht, und seine Eltern kennengelernt. So klein ist die Welt: der Vater ist der Bürgermeister von Batabut. Die kleine Klinik in diesem Ort versorgen wir immer mal wieder mit medizinischem Material, das wir mit einem Container eines Gambiers aus dem Landkreis Esslingen mitschicken. Die Klinik liegt auf dem Weg zur Cashewfarm von Brigitte und Alieu in Arangalain, ca. 100 km im Landesinneren.
Sheriff betreut die kleine Mariama Ndow in Brufut. Nachdem der erste Versuch, am Dienstag im Gudrun Medical Lab einen Libresensor zu setzen, scheiterte, hat es vorgestern geklappt (Sheriff Sanyang hat diese Aufgabe übernommen). Mit 6 weiteren Sensoren ist sie für drei Monate versorgt. Ihr Hba1c hat sich etwas verbessert, ist aber in einem noch zu hohem Bereich. Die Familie musste seit November zweimal umziehen. Der Vater liegt wegen einer schweren Allergie im Senegal in einem Krankenhaus.
Danach ging es weiter zu Mbasally Jatta. Sheriff hat uns Anfang Februar von ihr berichtet. 21 Jahre alt, ihr Mischinsulin wurde im Senegal beschafft. Klargekommen ist sie damit nicht, deshalb haben wir sie mit ICT-Insulinen versorgen lassen und ins Projekt aufgenommen. Mit dem Langzeitzuckerergebnis ging es danach gleich runter, das hat sie Sheriff zu verdanken! Die Diabetesdiagnose war 2021, sie konnte die letzte Klasse (Grate 12) nicht mehr beenden. Da müssen wir helfen.
Alle drei Familien haben wir finanziell unterstützt.
Eliman Jobe, Besitzer des Gudrun Medical Lab, und seine Familie, haben mich zum Fastenbrechen eingeladen. Dort habe ich den Rest des Nachmittags bis zum Abend verbracht. Ramadan ist immer Salibu-Tag: da kommen Kinder, und sammeln Kleingeld. Für den nächsten Tag hab ich ein "Chicken Yassa" mitnehmen (müssen). Was nicht zu sehen ist: die Schüssel mit Reis war ca. 10cm hoch - genug Essen für 1 Woche...
Der Bruder von Isatou Jallow hat mir für die verbleibenden beiden Tage ebenfalls noch Essen vorbeigebracht – super, Danke!


Samstag, 22. April


Am Morgen sind wir (Isatou und Ousman haben mich begleitet) in die Familien von Satang Jaiteh und Basiru Njie gefahren. Das waren die beiden Einzigen, die wir erreichen konnten, um nicht kreuz- und quer durch Serrekunda zu müssen. Koriteh hat dazu beigetragen, dass wir nicht mehr Familien mit Diabetikern besuchen konnten.

Satang ist 13 Jahre alt, und ihre Mutter hat die Probleme mit ihr geschildert. Zwischendurch was essen, oder das, was es gibt, nicht zu akzeptieren, davor aber schon Mahlzeiteninsulin spritzen…ihr HbA1c liegt nun bei 13,7%, nach >14% im November. Ihre Mutter chattet mit uns jeden Tag über WhatsApp. Viel geredet über Mahlzeiten – z.B. diese Nudeln, für die sie kein Insulin gespritzt hat! Wir hoffen, die Pubertät geht bald vorbei…
Basiru, 13 Jahre alt, trampelt mit seinem HbA1c auf der Stelle, seit November (und davor) immer noch 12%. Die Mutter hat aber ihr Verhalten verändert. Nachdem es lange Zeit so war, als dass sie ihm mit seinem Diabetes nicht helfen wollte/konnte, scheint es so, als dass sie ihn nun unterstützt. Es sind immer die gleichen Defizite: Insulin spritzen mit der richtigen Menge an Einheiten, und die Mahlzeit richtig einschätzen können. Neben unserer Schulung hat er sein Hemd gebügelt.


Sonntag, 23. April


Ähhh, wie, heute gehts schon wieder heim??

Am späteren Vormittag kamen Isatou und Ousman vorbei. Wir saßen zusammen, um die nächsten Wochen und Monate und möglichst viele der Betroffenen zu besprechen. Sie planen zwei Workshops in der nächsten Zeit, und für November ein größeres Event. Zum x-ten Male wiederum diskutiert: seit Juni 2022 kam von den beiden kein Report mehr!
Dann ging es ans Kofferpacken. Hilde hat mich zum Flughafen gebracht, sie war erst am Samstagabend aus Deutschland gekommen.
Um 18 Uhr war ich am Airport, um 19.50 Uhr in der Wartehalle. Es war die Hölle los an diesem Sonntag! In der Anzeigetafel stand: Boarding – alle Passagiere saßen auf ihren Plätzen. Um 20.10 Uhr wurde die Anzeige gewechselt: "Last Call" – da war noch nicht mal der Flieger auf dem Rollfeld gelandet.
Um 21.05 kam er dann. Statt um 20.30 Uhr sind wir um 22.30 gestartet, es musste so kommen – in Istanbul hab ich den Anschluss nach Stuttgart verpasst. Umbuchen auf 12.30 Uhr, um 13 Uhr hat Turkish Airlines nach Stuttgart abgehoben. Mit 6 Stunden Verspätung war ich um 18.00 wieder daheim bei Gudrun.


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